Roadtrip auf Eis

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Der große Tag ist gekommen, es ist der 31. August 2021: heute wird alles eingepackt und die Wohnung für die Zwischenmieterin vorbereitet, morgen früh geht’s spätestens los. Einfach kurz die Schränke ausräumen und putzen. Das wird wohl in ein paar Stunden erledigt sein. Aber jeder Schrank, den wir öffnen, bietet eine neue unangenehme Überraschung. Unser Vorratsschrank überrascht uns mit einer Mottenplage. Mehrere Dinge sind ausgelaufen. Am nervigsten: eine Tube Dattelsirup. Alles ist klebrig und siffig und es dauert ewig. Die Spülmaschine läuft non-stop. Wir haben Zeitdruck: Die Zwischenmieterin möchte einziehen und Bobo hat die deutsche Krankenversicherung gekündigt. Ab Morgen hat Bobo nur noch eine Auslandskrankenversicherung, wir müssen also vor Mitternacht die deutsche Grenze verlassen haben, damit er versichert ist. Lena ist sehr abergläubisch und möchte das Schicksal nicht herausfordern. Es ist unwahrscheinlich, dass etwas passiert, aber wenn ist nicht nur die Reise ruiniert, sondern wir auch finanziell. Bei uns Zuhause herrscht das reinste Chaos. Zu dem Zeitpunkt, als wir mit dem Packen fertig sein wollten, hatten wir gerade mal einen einzigen Waschlappen im Bulli und sonst nichts. Wir sind mit unseren Freunden Kerstin und René verabredet, um uns zu verabschieden. Uns wächst alles über den Kopf, deswegen sind wir kurz davor, es abzusagen. Kerstin bleibt hartnäckig. Okay, es gibt nur Lösungen! Über die App Helpling engagieren wir eine Putzhilfe. Thomson kommt und rettet uns aus der Misere. Unsere Küche war noch nie so sauber und die Armaturen glänzen.

Kerstin ist eigentlich vom Wesen her eine klassische Zuspätkommerin. Heute hätte Zuspätkommen gut gepasst. Das Land verlassen ohne uns zu verabschieden wäre für uns eh nicht in Frage gekommen, aber heute drängt sie auffällig doll darauf, dass sie und ihr Mann uns pünktlich abholen können. Sie hätten wohl einen Tisch reserviert. Lena sitzt auf dem Busboden und packt alles von der Straße in den Bus ein. Bobo trägt alle Sachen, die mit müssen, aus der Wohnung raus. Die Tetris-Sucht aus Teenagertagen kommt uns zugute. Riesige Mengen an Kram finden in unserem vier qm-Heim einen Platz. Aber dann bringt Bobo Lena an ihre Pack-Grenzen und zur absoluten Weißglut. Eine Gitarre soll mit (die seit 1,5 Jahren unberührt in der Ecke steht) und ein riesiger Bademantel mit dem Packmaß eines Sofas. Unnötige Arbeiten sollen unbedingt noch vor Abfahrt erledigt werden. Ein Brett muss unbedingt zugeschnitten werden, das hinter den Fahrersitz angebracht wird. An diesem Brett sollen Haken befestigt werden, um beispielsweise Geschirrtücher aufzuhängen. Im Grunde eine gute Idee, aber Lena kann nicht verstehen, warum Bobo unbedingt jetzt noch ein Brett sägen muss, obwohl wir noch nicht mal fertig mit packen sind und uns die Zeit im Nacken sitzt. Aber Bobo, der störrischste Esel unter der Sonne, setzt seinen Willen durch. Das Brett wird angebracht (Anmerkung aus der Zukunft: das Brett bleibt die nächsten 5 Monate ungenutzt, bis wir zufällig in Italien einen Handwerkergesellen treffen, der uns auf die Idee bringt, einen Ast, als Aufhängemöglichkeit anzuschrauben).

Wir packen, räumen, schleppen, putzen und sägen weiter und die Zeit vergeht wie im Flug. Kerstin und René biegen ums Eck und holen uns ab, „Essen müsst ihr ja so oder so”.
Ihr ahnt es vielleicht. Wir checken gar nichts. Statt ins Restaurant, stehen wir im Beethovenpark inmitten eines riesigen Abschieds-Überraschungspicknicks für uns. Dutzende Freunde sind von überall her angereist, um uns zu verabschieden. Es gibt Snacks, Drinks und Fackeln und so viel Liebe. Lenas Freundin Özge fragt sie an dem Abend, ob sie auf ihrer Hochzeit ihre Brautjungfer sein möchte. Für uns ist klar, für ihre Hochzeit mit Sebastian im Oktober werden wir auf jeden Fall wieder kommen.
Wir sind so dankbar und beseelt von so großartigen Freunden in unserem Leben, die uns bei unseren wahnwitzigen Ideen unterstützen und so eine süße Überraschung für uns organisieren. Gekrönt wird der Abend mit einer Sternschnuppe. Aber was sollen wir uns noch wünschen? Unsere Freunde haben auch ein paar Kästen von unserem Lieblingskölsch besorgt. Und damit niemand die Schweren Kästen nochmal tragen muss, opfert sich Bobo alles auszutrinken.
Am nächsten Morgen soll es früh los gehen. Wir erinnern uns, wir müssen vor Mitternacht die Grenze verlassen haben und die ist eine circa achtstündige Fahrt entfernt. Der Wecker klingelt. Lena wird wach, Bobo rührt sich nicht. Lena weckt Bobo und sieht es direkt in seinen Augen, er ist noch nicht nüchtern. Alles klar? Bobo (im feinsten rheinländischen Akzent, den er sonst nicht spricht): „Ich bin jood drupp!” „Oh nein”, denkt sich Lena, damit wir pünktlich loskommen muss sie jetzt alles in die Hand nehmen und Bobo mit einem starken Kaffee unter die kalte Dusche stellen. Schnell aus dem Bett raus, „Es gibt noch viel zu tun”, denkt sie sich. Aber dann: „Aaautsch, was ist das?” Oh nein, ein gewaltiger Hexenschuss, bitte nicht!

Ob wir es noch bis über die Landesgrenze geschafft haben, könnt ihr dann im Buch lesen 😉

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Der große Tag ist gekommen, es ist der 31. August 2021: heute wird alles eingepackt und die Wohnung für die Zwischenmieterin vorbereitet, morgen früh geht’s spätestens los. Einfach kurz die Schränke ausräumen und putzen. Das wird wohl in ein paar Stunden erledigt sein. Aber jeder Schrank, den wir öffnen, bietet eine neue unangenehme Überraschung. Unser Vorratsschrank überrascht uns mit einer Mottenplage. Mehrere Dinge sind ausgelaufen. Am nervigsten: eine Tube Dattelsirup. Alles ist klebrig und siffig und es dauert ewig. Die Spülmaschine läuft non-stop. Wir haben Zeitdruck: Die Zwischenmieterin möchte einziehen und Bobo hat die deutsche Krankenversicherung gekündigt. Ab Morgen hat Bobo nur noch eine Auslandskrankenversicherung, wir müssen also vor Mitternacht die deutsche Grenze verlassen haben, damit er versichert ist. Lena ist sehr abergläubisch und möchte das Schicksal nicht herausfordern. Es ist unwahrscheinlich, dass etwas passiert, aber wenn ist nicht nur die Reise ruiniert, sondern wir auch finanziell. Bei uns Zuhause herrscht das reinste Chaos. Zu dem Zeitpunkt, als wir mit dem Packen fertig sein wollten, hatten wir gerade mal einen einzigen Waschlappen im Bulli und sonst nichts. Wir sind mit unseren Freunden Kerstin und René verabredet, um uns zu verabschieden. Uns wächst alles über den Kopf, deswegen sind wir kurz davor, es abzusagen. Kerstin bleibt hartnäckig. Okay, es gibt nur Lösungen! Über die App Helpling engagieren wir eine Putzhilfe. Thomson kommt und rettet uns aus der Misere. Unsere Küche war noch nie so sauber und die Armaturen glänzen.

Kerstin ist eigentlich vom Wesen her eine klassische Zuspätkommerin. Heute hätte Zuspätkommen gut gepasst. Das Land verlassen ohne uns zu verabschieden wäre für uns eh nicht in Frage gekommen, aber heute drängt sie auffällig doll darauf, dass sie und ihr Mann uns pünktlich abholen können. Sie hätten wohl einen Tisch reserviert. Lena sitzt auf dem Busboden und packt alles von der Straße in den Bus ein. Bobo trägt alle Sachen, die mit müssen, aus der Wohnung raus. Die Tetris-Sucht aus Teenagertagen kommt uns zugute. Riesige Mengen an Kram finden in unserem vier qm-Heim einen Platz. Aber dann bringt Bobo Lena an ihre Pack-Grenzen und zur absoluten Weißglut. Eine Gitarre soll mit (die seit 1,5 Jahren unberührt in der Ecke steht) und ein riesiger Bademantel mit dem Packmaß eines Sofas. Unnötige Arbeiten sollen unbedingt noch vor Abfahrt erledigt werden. Ein Brett muss unbedingt zugeschnitten werden, das hinter den Fahrersitz angebracht wird. An diesem Brett sollen Haken befestigt werden, um beispielsweise Geschirrtücher aufzuhängen. Im Grunde eine gute Idee, aber Lena kann nicht verstehen, warum Bobo unbedingt jetzt noch ein Brett sägen muss, obwohl wir noch nicht mal fertig mit packen sind und uns die Zeit im Nacken sitzt. Aber Bobo, der störrischste Esel unter der Sonne, setzt seinen Willen durch. Das Brett wird angebracht (Anmerkung aus der Zukunft: das Brett bleibt die nächsten 5 Monate ungenutzt, bis wir zufällig in Italien einen Handwerkergesellen treffen, der uns auf die Idee bringt, einen Ast, als Aufhängemöglichkeit anzuschrauben).

Wir packen, räumen, schleppen, putzen und sägen weiter und die Zeit vergeht wie im Flug. Kerstin und René biegen ums Eck und holen uns ab, „Essen müsst ihr ja so oder so”.
Ihr ahnt es vielleicht. Wir checken gar nichts. Statt ins Restaurant, stehen wir im Beethovenpark inmitten eines riesigen Abschieds-Überraschungspicknicks für uns. Dutzende Freunde sind von überall her angereist, um uns zu verabschieden. Es gibt Snacks, Drinks und Fackeln und so viel Liebe. Lenas Freundin Özge fragt sie an dem Abend, ob sie auf ihrer Hochzeit ihre Brautjungfer sein möchte. Für uns ist klar, für ihre Hochzeit mit Sebastian im Oktober werden wir auf jeden Fall wieder kommen.
Wir sind so dankbar und beseelt von so großartigen Freunden in unserem Leben, die uns bei unseren wahnwitzigen Ideen unterstützen und so eine süße Überraschung für uns organisieren. Gekrönt wird der Abend mit einer Sternschnuppe. Aber was sollen wir uns noch wünschen? Unsere Freunde haben auch ein paar Kästen von unserem Lieblingskölsch besorgt. Und damit niemand die Schweren Kästen nochmal tragen muss, opfert sich Bobo alles auszutrinken.
Am nächsten Morgen soll es früh los gehen. Wir erinnern uns, wir müssen vor Mitternacht die Grenze verlassen haben und die ist eine circa achtstündige Fahrt entfernt. Der Wecker klingelt. Lena wird wach, Bobo rührt sich nicht. Lena weckt Bobo und sieht es direkt in seinen Augen, er ist noch nicht nüchtern. Alles klar? Bobo (im feinsten rheinländischen Akzent, den er sonst nicht spricht): „Ich bin jood drupp!” „Oh nein”, denkt sich Lena, damit wir pünktlich loskommen muss sie jetzt alles in die Hand nehmen und Bobo mit einem starken Kaffee unter die kalte Dusche stellen. Schnell aus dem Bett raus, „Es gibt noch viel zu tun”, denkt sie sich. Aber dann: „Aaautsch, was ist das?” Oh nein, ein gewaltiger Hexenschuss, bitte nicht!

Ob wir es noch bis über die Landesgrenze geschafft haben, könnt ihr dann im Buch lesen 😉

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Wir haben schon länger noch ein weiteres Problem, welches wir aber gekonnt ignorieren bzw. umgehen: Unsere Tankanzeige funktioniert überhaupt nicht. Schon die ganze Reise lang orientieren wir uns nach dem Kilometerzähler und tanken spätestens nach 400 km, das hat immer gut funktioniert.
Auf einmal geht mitten auf der Straße der Motor von Dr. Love aus. Zum Glück sind wir im Niemandsland und hier gibt es keinen Verkehr, sonst hätte das gefährlich werden können. Lena dreht den Schlüssel wieder um, orgelt ein wenig, aber dann springt er wieder an. Und geht wieder aus. Noch einmal geht er an und wieder aus. Orgel, orgel orgel, nichts geht mehr. Alles ist komplett tot. Damnit, was ist denn jetzt passiert?! Nach ein paar Minuten checken wir erst, was los ist: Wir haben keinen Diesel mehr im Tank. Die Heizung verbraucht Diesel, wir rechnen aber immer noch mit den gleichen Kilometern, wie zuvor ohne laufende Heizung. Das ist natürlich ziemlich dumm.
Aber wir haben für solche Fälle ja einen Kanister dabei. Als wir den von hinten holen, fühlt er sich ziemlich leicht an. Denn er ist leer. Leer! Wir haben einen Monat einen leeren Kanister mit uns rumkutschiert. Jetzt ist das natürlich nicht so cool, dass hier niemand vorbeikommt. Aber aus der Gegenrichtung kommt jemand und fragt, ob bei uns alles in Ordnung ist. Er hat uns gerade überholt (als wir noch gefahren sind) und sich gewundert, dass wir nicht mehr in seinem Rückspiegel auftauchen und ist deswegen wieder zurückgefahren, wow! Die nächste Tankstelle ist 25 km weit weg, also ist es das Beste, wenn unser Retter namens Malte uns abschleppt. Wir holen unser Abschleppseil „Schlepp-o-matic“ raus und gucken erstmal auf die maximale Last: 1,5 t. Oh shit, Dr. Love wiegt aber 2 Tonnen mehr. Was nun? Wir haben das vorher noch nie benutzt. Wir versuchen es aber, sonst bleibt uns nicht viel übrig. Wir bleiben die ganze Zeit mit Malte am Telefon und haben totale Panik, dass das Seil reißt und wir ihm hinten reinkrachen, besonders wenn es etwas bergab geht. Während des Abschleppens sehen wir aber unsere ersten Rentiere am Straßenrand, wow! Es gibt halt meistens auch positive Aspekte an einem Schlamassel.

Wir haben es heile bis zur Tankstelle geschafft. Wir haben noch Wein aus Deutschland, den wir unserem Retter für seine Tat schenken wollen. Als wir den rauskramen, ist der aber leider schon weg. Wir konnten uns noch nicht mal richtig bedanken. Er muss aber schnell weiter bis nach Tromsø, schreibt er uns. Schade. Wir tanken Dr. Love randvoll und diesmal auch den Kanister. Ha, wäre doch gelacht! Das passiert uns nicht noch einmal. Dann setzen wir uns rein und wollen wieder los starten: Nix da. Dr. Love sagt keinen Mucks. Na klar, wir haben ja auch seine Batterie komplett leer georgelt. Natürlich ist wieder weit und breit niemand zu sehen. Na toll.
Wir müssen auch erstmal den Weg zu unserer Batterie zugänglich machen, das ist bei uns etwas komplizierter: Dr. Love hat den Motor hinten verbaut und darüber ist unser Bett gebaut, also ist er von außen nicht so leicht zugänglich. Dafür müssen wir erst den vorderen Lattenrost mit den Matratzen nach vorne schieben (alles andere vorher aus dem Weg räumen) und dann den hinteren Lattenrost abschrauben. Der muss dann rausgenommen werden. Dann ist über der Motorabdeckung noch eine Kiste gebaut, wo wir das ganze Zeug wie Stühle, Tisch usw. verstauen können. Um am besten an den Motor zu kommen, müssen wir die eigentlich rausheben, die ist aber sehr schwer. Wenn wir sie komplett ausziehen, können wir gerade so die Motorabdeckung an der Kiste vorbeifriemeln und der große Bobo kommt dann so halbwegs an den Motor ran. Es ist aber immer noch niemand da und der Tankwart hat kein Auto, um uns Starthilfe zu geben.

Wie wir aus dem Schlamassel befreit wurden, könnt ihr dann im Buch lesen 🙂

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