No power – no gas
Wir haben schon länger noch ein weiteres Problem, welches wir aber gekonnt ignorieren bzw. umgehen: Unsere Tankanzeige funktioniert überhaupt nicht. Schon die ganze Reise lang orientieren wir uns nach dem Kilometerzähler und tanken spätestens nach 400 km, das hat immer gut funktioniert.
Auf einmal geht mitten auf der Straße der Motor von Dr. Love aus. Zum Glück sind wir im Niemandsland und hier gibt es keinen Verkehr, sonst hätte das gefährlich werden können. Lena dreht den Schlüssel wieder um, orgelt ein wenig, aber dann springt er wieder an. Und geht wieder aus. Noch einmal geht er an und wieder aus. Orgel, orgel orgel, nichts geht mehr. Alles ist komplett tot. Damnit, was ist denn jetzt passiert?! Nach ein paar Minuten checken wir erst, was los ist: Wir haben keinen Diesel mehr im Tank. Die Heizung verbraucht Diesel, wir rechnen aber immer noch mit den gleichen Kilometern, wie zuvor ohne laufende Heizung. Das ist natürlich ziemlich dumm.
Aber wir haben für solche Fälle ja einen Kanister dabei. Als wir den von hinten holen, fühlt er sich ziemlich leicht an. Denn er ist leer. Leer! Wir haben einen Monat einen leeren Kanister mit uns rumkutschiert. Jetzt ist das natürlich nicht so cool, dass hier niemand vorbeikommt. Aber aus der Gegenrichtung kommt jemand und fragt, ob bei uns alles in Ordnung ist. Er hat uns gerade überholt (als wir noch gefahren sind) und sich gewundert, dass wir nicht mehr in seinem Rückspiegel auftauchen und ist deswegen wieder zurückgefahren, wow! Die nächste Tankstelle ist 25 km weit weg, also ist es das Beste, wenn unser Retter namens Malte uns abschleppt. Wir holen unser Abschleppseil „Schlepp-o-matic“ raus und gucken erstmal auf die maximale Last: 1,5 t. Oh shit, Dr. Love wiegt aber 2 Tonnen mehr. Was nun? Wir haben das vorher noch nie benutzt. Wir versuchen es aber, sonst bleibt uns nicht viel übrig. Wir bleiben die ganze Zeit mit Malte am Telefon und haben totale Panik, dass das Seil reißt und wir ihm hinten reinkrachen, besonders wenn es etwas bergab geht. Während des Abschleppens sehen wir aber unsere ersten Rentiere am Straßenrand, wow! Es gibt halt meistens auch positive Aspekte an einem Schlamassel.
Wir haben es heile bis zur Tankstelle geschafft. Wir haben noch Wein aus Deutschland, den wir unserem Retter für seine Tat schenken wollen. Als wir den rauskramen, ist der aber leider schon weg. Wir konnten uns noch nicht mal richtig bedanken. Er muss aber schnell weiter bis nach Tromsø, schreibt er uns. Schade. Wir tanken Dr. Love randvoll und diesmal auch den Kanister. Ha, wäre doch gelacht! Das passiert uns nicht noch einmal. Dann setzen wir uns rein und wollen wieder los starten: Nix da. Dr. Love sagt keinen Mucks. Na klar, wir haben ja auch seine Batterie komplett leer georgelt. Natürlich ist wieder weit und breit niemand zu sehen. Na toll.
Wir müssen auch erstmal den Weg zu unserer Batterie zugänglich machen, das ist bei uns etwas komplizierter: Dr. Love hat den Motor hinten verbaut und darüber ist unser Bett gebaut, also ist er von außen nicht so leicht zugänglich. Dafür müssen wir erst den vorderen Lattenrost mit den Matratzen nach vorne schieben (alles andere vorher aus dem Weg räumen) und dann den hinteren Lattenrost abschrauben. Der muss dann rausgenommen werden. Dann ist über der Motorabdeckung noch eine Kiste gebaut, wo wir das ganze Zeug wie Stühle, Tisch usw. verstauen können. Um am besten an den Motor zu kommen, müssen wir die eigentlich rausheben, die ist aber sehr schwer. Wenn wir sie komplett ausziehen, können wir gerade so die Motorabdeckung an der Kiste vorbeifriemeln und der große Bobo kommt dann so halbwegs an den Motor ran. Es ist aber immer noch niemand da und der Tankwart hat kein Auto, um uns Starthilfe zu geben.
Wie wir aus dem Schlamassel befreit wurden, könnt ihr dann im Buch lesen 🙂